Ist - Zustand und Ausblick

Auf den folgenden Seiten möchte ich Sie (Euch), das 'geneigte Publikum', mit meiner Sicht des Themas: Fahrradgangschaltungen konfrontieren.

Nicht, dass es zu diesem Thema nicht schon eine Unmenge an Literatur gäbe:

Nicht zu Unrecht wird dieses Thema intensiv beleuchtet, denn es handelt sich hierbei wohl immer noch um ein starkes Verkaufsargument - nach dem Motto: 24 (3*8) Gänge sind mehr als 14 (2*7) Gänge, also ist das Rad auch besser ...

Um hier kein Missverständnis aufkommen zu lassen, die o.a. Hersteller argumentieren NICHT derartig oberflächlich. Überhaupt hat sich die Situation nach meiner Wahrnehmung seit den 80er Jahren, seitdem ich mich genauer mit diesem Thema auseinandergesetzt habe, erheblich verbessert (natürlich NICHT wegen meiner überlegungen) size="4">:-). Aber: Immer noch nicht werden die - eigentlich nicht so schwierigen Sachverhalte - korrekt dargestellt, häufig genug ist, so glaube ich, den Verkäufern wie auch den Herstellern, die 'Einfachheit' der Materie überhaupt nicht klar.

Exkurs: Die Fahrradwelt verändert sich, seit Jahren ist eine Renaissance von Nabenschaltungen zu erkennen, aus einer Vielzahl von Gründen, zu denen gehören:

(übrigens - für alle die sich nach den vorgenannten Sätzen über meine weiteren Darstellungen wundern - der Schwerpunkt liegt nicht auf 'Einfachheit', sondern vielmehr auf Klarheit und annähernde Vollständigkeit. (Erinnern Sie sich bitte an mein Eingangszitat von Einstein.)


In der 'herkömmlichen' Darstellung wird ein Gang durch seine Entfaltung repräsentiert. Die Entfaltung ist dabei der pro Kurbelumdrehung zurückgelegte Weg. Außerdem werden die verfügbaren Gänge treppenförmig aufgezeigt - als Balkendiagramm würde man in Excel-Sprech sagen.

Ein Beispiel:

Meine Tochter Sarah fuhr einige Jahre ein Rad mit einer Shimano Alivio KettenSchaltung, die üblicherweise wie folgt dargestellt wird:

Darstellung einer Übersetzung als Balkendiagramm

Sie sehen auf der horizontalen Achse abgetragen die drei Kettenblätter - Kettenblätter sind die Zahnräder, die vorne an der Tretkurbel montiert sind - und in der Legende rechts die sieben Ritzel - Ritzel nennt man die Zahnräder, die hinten am Hinterrad montiert sind. Aus '3*7' ergibt sich, dass das Fahrrad 21 Gänge hat.

Dem Diagramm entnehmen Sie, dass die größte Entfaltung mit der Kombination 46 \ 14 erreicht wird, ein Weg von 7,20m, den Sarah mit einer Pedalumdrehung zurücklegen würde. Die kleinste Entfaltung, nämlich 'nur' 2,10m, wird erreicht, wenn Sarah vorne ihr kleinstes Kettenblatt auflegt und hinten das größte Ritzel wählt, also in der Kombination: 28 \ 28.

folgende Fragen stellen sich:

  1. Wie viele Gänge hat dieses Rad eigentlich?
  2. Wie sind die Gänge zu schalten?
  3. Braucht man so viele Gänge wirklich? (Ein Auto hat doch auch nur 5)
  4. Wie fährt es sich mit einem Fahrrad mit dieser Gangschaltung?

Wir beantworten die Fragen aufgrund des vorliegenden Diagramms:

ad 1: Wenn wir alle Entfaltungen der Größe nach sortieren und notieren, so erhalten wir:

2,10m; 2,45m; 2,67m; 2,85m; 2,94m; 3,27m; 3,33m; 3,60m; 3,63m; 3,68m; 3,99m; 4,20m; 4,20m; 4,43m; 4,58m; 4,99m; 5,04m; 5,60m; 5,70m; 6,30m; 7,20

Identisch sind genau 2 Werte, alle anderen sind unterschiedlich. Ergo: Diese Schaltung hat (theoretisch) genau 20 'unterschiedliche' Gänge.

Kritik: 4,99 und 5,04 z.B. liegen sehr nahe beieinander. Sind das wirklich auch'praktisch' unterschiedliche Gänge? Oder schauen wir auf die Werte: 5,60m und 5,70m, wenn das zwei unterschiedliche Gänge sein sollen ...

ad 2. ... Schauen wir in's Diagramm, so stellen wir fest: Um 'den Gang' von 5,60m auf 5,70m zu ändern, ist möglichst schnell nacheinander erforderlich, das Kettenblatt zu wechseln und zwei Ritzel auf einmal zu schalten. Sie sind Freizeitradler? Viel Spaß beim Versuch! Schauen wir also genauer hin und vergleichen, wie die 'angeblichen Gänge' liegen, so ist klar: Das klappt nicht!

ad 3. ? Es fehlt ein Kriterium, aus dem 'der Sinn des Ganzen' hervorgehen würde. Konkretisieren wir also mal in der folgenden Liste unsere Fragestellungen:

  1. Woran machen wir fest, was ein auch 'praktisch' unterschiedlicher Gang ist?
  2. Der Unterschied zwischen 2,10m und 7,20m ist ganz schön groß, macht das Sinn?
  3. Was bedeutet: 2,10m ist die kleinste Entfaltung? Kommt man damit 'einen Berg' hoch?

Ad 4 - keine Ahnung, wie man mit dem Rad fährt. Aber mit dieser Schaltung könnte es schwierig werden, den Überblick zu behalten und immer 'richtig' zu schalten.

Zusammenfassend: Wir sind keinen Schlag schlauer, sicher sind es maximal 20 und nicht etwa 21 (also: 3*7) Gänge, aber alles ist 'kompliziert und undurchsichtig', wie das dann in der Praxis wirklich aussehen soll: K.A.

Was lernen wir daraus?

Eigentlich nicht viel. Wir sehen, dass die übliche Darstellung nichts taugt. Das Wichtigste war, dass wir mit der letzten Liste genauere Fragestellungen haben.

Und SIE wissen jetzt, dass es sich lohnt, weiter zu lesen, denn die Durchdringung des Dickichts ist nicht schwierig und die Praxistauglichkeit liegt auf der Hand.

Doch, etwas haben wir gelernt: Sie wissen, was eine Entfaltung ist. Das ist und bleibt wichtig!